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Was bedeutet Bioverfügbarkeit?

Auf einem Supplement‑Etikett steht, wie viele Milligramm oder Mikrogramm eines Nährstoffs pro Kapsel enthalten sind. Doch diese Zahl sagt nicht automatisch aus, wie viel davon Ihr Körper tatsächlich aufnimmt. Zwischen Einnahme und Wirkung liegt ein entscheidender Schritt: Bioverfügbarkeit. Sie erklärt, warum zwei Produkte mit demselben Namen und derselben angegebenen Menge dennoch deutlich unterschiedlich sein können – und warum die chemische Form auf dem Etikett wirklich eine Rolle spielt.

Bioverfügbarkeit

Was ist Bioverfügbarkeit?

Bioverfügbarkeit beschreibt, in welchem Ausmaß ein Stoff aufgenommen wird und an der Stelle verfügbar wird, an der der Körper ihn benötigt. Ein Nährstoff, der den Magen‑Darm‑Trakt passiert, ohne absorbiert zu werden, gelangt nicht in die Blutbahn – und entfaltet daher keine physiologische Wirkung, unabhängig davon, wie viele Milligramm auf dem Etikett stehen.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Bioverfügbarkeit: die chemische Form des Stoffes, andere Substanzen, die die Aufnahme fördern oder hemmen, der Zeitpunkt der Einnahme und die individuelle Verdauung. Von all diesen Faktoren ist die chemische Form der direkteste – und der einzige, den Sie direkt auf dem Etikett erkennen können.

Möchten Sie verstehen, was der chemische Name auf dem Etikett aussagt? Lesen Sie den Artikel Wie lesen Sie ein Supplement‑Etikett?.

Organisch versus anorganisch gebundene Mineralstoffe

Bei Mineralstoffen wie Magnesium, Zink, Eisen und Calcium bestimmt die Art der Bindung, wie gut der Stoff sich löst und wie effizient er aufgenommen wird.

  • Anorganische Verbindungen – der Mineralstoff ist an ein einfaches Salz wie Oxid oder Sulfat gebunden. Diese Formen sind günstig herzustellen, lösen sich aber oft schlechter in Magensäure.
  • Organisch gebundene Verbindungen – der Mineralstoff ist an ein organisches Molekül wie Citrat, Glycinat, Malat oder Bisglycinat gebunden. Diese Formen lösen sich in der Regel besser und werden im Verdauungstrakt anders verarbeitet.

Weitere organisch gebundene Formen sind Zinkgluconat (Zink gebunden an Gluconsäure, häufig in Lutschtabletten wegen des milden Geschmacks) und Chrompicolinat (die am weitesten verbreitete Supplementierungsform von Chrom).

Der vollständige Name auf dem Etikett zeigt Ihnen, welche Form verwendet wurde. Magnesiumoxid enthält mehr elementares Magnesium pro Gramm als Magnesiumcitrat – daher kann mit weniger Pulver eine höhere Menge angegeben werden. Doch die Löslichkeit und das Verhalten der beiden Formen unterscheiden sich, was einen Teil der Preisunterschiede erklärt.

Aktive und inaktive Vitaminformen

Ein ähnliches Prinzip gilt für Vitamine. Manche Formen kann der Körper direkt nutzen, andere müssen erst umgewandelt werden.

Ein bekanntes Beispiel ist Vitamin B12:

  • Cyanocobalamin – die synthetische Grundform, die umgewandelt werden muss.
  • Methylcobalamin und Adenosylcobalamin – aktive Formen, die diesen Schritt überspringen.

Dasselbe gilt für Folat:

  • Folsäure – die synthetische Form.
  • Methylfolat (5‑MTHF) – die aktive Form, die keine Umwandlung benötigt.

Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Land: In den Niederlanden heißt Folsäure Vitamin B11, in Deutschland und den USA Vitamin B9. Die aktive Form 5‑MTHF ist jedoch überall identisch.

Bei Vitamin D werden sowohl D3 (Cholecalciferol) als auch D2 (Ergocalciferol) verwendet, die jedoch unterschiedliche Stoffwechselwege durchlaufen.

Chelate und liposomale Formen

Neben organischen Verbindungen begegnen Ihnen zunehmend zwei Technologien: Chelatierung und liposomale Verkapselung.

Chelatierung

Ein chelatiertes Mineral ist an eine Aminosäure gebunden und kann dadurch über die Aminosäureaufnahme im Darm „mitgenommen“ werden. Magnesiumbisglycinat ist ein bekanntes Beispiel: Magnesium gebunden an zwei Glycinmoleküle. Auf dem Etikett erkennen Sie dies an der Endung „‑glycinat“ oder der Bezeichnung „Chelat“.

Liposomale Verkapselung

Bei der liposomalen Verkapselung wird ein Wirkstoff in ein Fettkügelchen (Liposome) eingeschlossen, das der Struktur von Zellmembranen ähnelt. Diese Technologie wird besonders bei Vitamin C und Glutathion eingesetzt. Auf dem Etikett steht dann „liposomal“.

Was bedeutet das bei der Wahl eines Nahrungsergänzungsmittels?

Einige praktische Faustregeln:

Schauen Sie über die Menge hinaus

Zwei Produkte mit „400 mg Magnesium“ können völlig unterschiedliche Verbindungen enthalten – und sich daher unterschiedlich verhalten.

Lesen Sie den vollständigen Namen der Zutat

Die chemische Form verrät mehr als die Zahl allein.

Vergleichen Sie Formen, nicht nur Preise

Ein höherer Preis für eine organisch gebundene Mineralstoffform oder eine aktive Vitaminform kann sich pro wirksamer Menge anders auswirken als eine günstigere Variante.

Bioverfügbarkeit je nach Lebensphase

Die Nährstoffaufnahme verändert sich im Laufe des Lebens.

  • Ältere Erwachsene (60+) – die Magensäureproduktion nimmt ab, wodurch die Aufnahme von Vitamin B12, Calcium, Magnesium und non‑Häm‑Eisen sinkt. Calciumcitrat löst sich unter diesen Bedingungen besser als Calciumcarbonat. Methylcobalamin‑Lutschtabletten umgehen die Abhängigkeit von Magensäure.
  • Kleine Kinder – die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) hängt von der Fettzufuhr bei der Mahlzeit ab. Daher sind ölbasierte Vitamin‑D‑Tropfen vorzuziehen.

Bioverfügbarkeit ist kein Marketingbegriff – sie ist eine Eigenschaft des Stoffes selbst, erkennbar am Namen auf dem Etikett.

Sind Sie unsicher? Unsere Drogistinnen und Drogisten helfen Ihnen gerne, Produkte anhand ihrer Zusammensetzung zu vergleichen.

Über diesen Artikel

Geschrieben von:

Nicole Raven
Nicole Raven Orthomolekulare Therapeutin

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