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Verbreitete Irrtümer über Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel sind weder Ersatz für Lebensmittel noch Arzneimittel. Sie tun genau das, was ihr Name sagt: Sie ergänzen die tägliche Ernährung. Rund um ihre Anwendung kursieren viele Annahmen und Geschichten. Was stimmt – und was ist ein Mythos?

„Wer sich gesund ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.“

Theoretisch klingt das plausibel. In der Praxis gelingt es den meisten Menschen jedoch nicht, sich täglich so ausgewogen zu ernähren, dass alle empfohlenen Nährstoffmengen erreicht werden. Europäische Ernährungserhebungen zeigen seit Jahren, dass große Bevölkerungsgruppen bestimmte Nährstoffe strukturell zu wenig aufnehmen.

Hinzu kommen weitere Faktoren: begrenzte Sonnenexposition im Winter (relevant für Vitamin D), Ernährungsweisen, die bestimmte Nährstoffe ausschließen (z. B. vegetarisch oder vegan ohne Vitamin‑B12‑Ergänzung), oder Lebensphasen mit verändertem Bedarf wie Schwangerschaft oder höheres Alter.

Auch Menschen mit Lebensmittelallergien oder ‑unverträglichkeiten (z. B. Kuhmilch oder Gluten) können durch das Meiden bestimmter Produkte Nährstoffmängel entwickeln.

Fazit

Ernährung bleibt die Basis. Ob ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Essverhalten, Lebensstil und individuellen Umständen ab – nicht von einer allgemeinen Regel.

„Nahrungsergänzungsmittel sind nur für Menschen mit einem Mangel.“

Nahrungsergänzungsmittel werden aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt: zur Ergänzung bei einem festgestellten Mangel, vorbeugend bei erhöhtem Risiko oder als Unterstützung einer Ernährung, die in manchen Bereichen weniger abwechslungsreich ist.

Der niederländische Gesundheitsrat (Gezondheidsraad) spricht gezielte Empfehlungen für bestimmte Gruppen aus – etwa Vitamin D für ältere Menschen, Vitamin B12 für Personen, die keine tierischen Produkte essen, oder Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch oder in der frühen Schwangerschaft.

Auch die EFSA (European Food Safety Authority) hat eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Omega‑3‑DHA während der Schwangerschaft: Eine tägliche Aufnahme von 200 mg DHA zusätzlich zu den allgemeinen 250 mg EPA und DHA trägt zur normalen Gehirn‑ und Augenentwicklung des Fötus und gestillter Säuglinge bei.

Das sind keine „Mangel‑Empfehlungen“, sondern vorbeugende Hinweise.

Wichtig

Sind Sie unsicher, ob ein Nahrungsergänzungsmittel für Ihre Situation sinnvoll ist? In manchen Fällen kann eine Blutuntersuchung helfen. Besprechen Sie dies mit einer Gesundheitsfachperson.

„Man merkt nichts – also wirken Nahrungsergänzungsmittel nicht.“

Dieser Irrtum ist verständlich, hält einer genaueren Betrachtung aber nicht stand. Vieles, was im Körper passiert, ist unsichtbar und nicht spürbar: Nährstoffaufnahme, Zellneubildung, enzymatische Prozesse. Das gilt für Lebensmittel genauso wie für Nahrungsergänzungsmittel.

Ob ein Nahrungsergänzungsmittel wirkt, lässt sich nicht immer an einem direkten Gefühl erkennen. Der einzige verlässliche Weg sind Blutwerte – nicht das subjektive Empfinden. Menschen, die Vitamin D einnehmen, spüren meist nichts, während sich der Blutwert messbar verändert.

Was Sie erwarten können

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Produkte mit sofort spürbarer Wirkung. Sie ergänzen die Ernährung – sie ersetzen keine schnelle Lösung.

„Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist unreguliert und unsicher.“

Das ist eindeutig falsch. In Europa unterliegen Nahrungsergänzungsmittel einer umfassenden Regulierung. Für Vitamine und Mineralstoffe gelten festgelegte Höchstmengen, Kennzeichnungsvorschriften und ein offizielles EU‑Register zugelassener gesundheitsbezogener Angaben.

In einigen EU‑Ländern wie Belgien besteht eine Meldepflicht: Hersteller müssen ihre Produkte vor dem Inverkehrbringen bei der Behörde registrieren. Diese Pflicht gilt nicht EU‑weit – in den Niederlanden gibt es derzeit keine allgemeine Meldepflicht.

Rohstoffe, Herstellung und Kennzeichnung werden streng kontrolliert – ähnlich wie bei Lebensmitteln. Zusätzlich existiert in den Niederlanden und Belgien ein Meldesystem für unerwünschte Wirkungen (Nutrivigilanz), über das mögliche Risiken überwacht werden.

Praktischer Tipp

Kaufen Sie Nahrungsergänzungsmittel von vertrauenswürdigen Herstellern, die transparent über Herkunft, Zusammensetzung und Qualitätskontrollen informieren. Fragen Sie im Zweifel nach einem Certificate of Analysis (CoA).

„Nahrungsergänzungsmittel sind teuer. Man investiert besser in gute Lebensmittel.“

Gute Ernährung hat Vorrang – aber das greift nicht vollständig. Nahrungsergänzungsmittel sollen die Ernährung ergänzen, nicht ersetzen. Die Frage lautet also nicht, ob man sich gut ernährt, sondern ob bestimmte Nährstoffe fehlen, die sich allein über die Ernährung schwer decken lassen.

Die Preise variieren stark. Gute Basisprodukte wie Vitamin D, Magnesium oder Vitamin B12 sind günstig erhältlich. Nischen‑ oder Premiumprodukte sind teurer – das ist eine persönliche Wahl.

Nuance

Preis und Qualität hängen nicht automatisch zusammen. Ein günstiges Produkt mit klarem CoA und transparenter Zusammensetzung kann besser sein als ein teures ohne Nachweis.

„Mehr ist besser: Eine höhere Dosis wirkt stärker.“

Dieser Irrtum ist besonders relevant, weil er sowohl falsch als auch riskant ist. Für die meisten Nährstoffe gibt es eine empfohlene Menge und eine Obergrenze. Darüber können Nebenwirkungen auftreten oder Nährstoffe sich gegenseitig beeinflussen.

Die EFSA legt sogenannte Tolerable Upper Intake Levels (UL) fest – die höchste tägliche Zufuhr, die für die Allgemeinbevölkerung als sicher gilt.

Beispiele:

  • Vitamin A: Langfristig hohe Zufuhr kann der Leber schaden und ist in der Schwangerschaft riskant.
  • Vitamin D: Die sichere Obergrenze liegt bei 100 µg pro Tag – deutlich über üblichen Dosierungen, aber relevant bei hoher Eigendosierung.

Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Dosis, sondern auch die Form, in der ein Nährstoff vorliegt, und ob Kombinationen die Aufnahme unterstützen. Eine niedrigere, gut aufnehmbare Dosis kann wirksamer sein als eine hohe, schlecht aufnehmbare.

Praktisch

Halten Sie sich an die empfohlene Dosierung und wenden Sie sich bei höheren Mengen an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Gesundheitsfachperson – besonders bei fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K).

„Nahrungsergänzungsmittel sind überflüssig – die Ernährung deckt alles ab.“

Für die meisten Menschen deckt die Ernährung den Großteil des Bedarfs ab. Aber „der Großteil“ ist nicht „alles“. Europäische Daten zeigen, dass bestimmte Nährstoffe – etwa Vitamin D, Magnesium und Omega‑3‑Fettsäuren – bei vielen Menschen dauerhaft unter der empfohlenen Zufuhr liegen.

Gründe dafür sind u. a.:

  • verarbeitete Lebensmittel enthalten weniger Mikronährstoffe
  • saisonale Einflüsse auf die Vitamin‑D‑Produktion
  • manche Nährstoffe lassen sich nur schwer in ausreichender Menge über die Ernährung aufnehmen

Fazit

Die Aussage, dass die Ernährung alles abdeckt, geht von einer Idealsituation aus, die für viele Menschen nicht dem Alltag entspricht. Das macht Nahrungsergänzungsmittel nicht automatisch notwendig – aber auch nicht grundsätzlich überflüssig.

Wussten Sie, dass der niederländische Gesundheitsrat bereits 1993 Folsäure für Schwangere empfahl – aber nur 25–40 % der Frauen diesen Rat rechtzeitig befolgen?

Kurz gesagt

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Wundermittel und kein Ersatz für gute Ernährung. Sie sind Ergänzungen. Ob sie sinnvoll sind, hängt von der persönlichen Situation, Ernährung, Lebensphase, dem Lebensstil und gegebenenfalls Blutwerten ab.

Die beste Grundlage für eine fundierte Entscheidung ist Information: darüber, was die Ernährung liefert, was der Gesundheitsrat empfiehlt und was ein Nahrungsergänzungsmittel technisch ist und bewirkt.

Sind Sie unsicher, welches Nahrungsergänzungsmittel zu Ihrer Situation passt? Unsere geprüften Fachberaterinnen und orthomolekularen Therapeuten helfen Ihnen gerne weiter. Telefon: +31 318 64 89 89 WhatsApp: +31 683 702 040 E‑Mail: info@gezondheidaanhuis.nl

Über diesen Artikel

Geschrieben von:

Nicole Raven
Nicole Raven Orthomolekulare Therapeutin

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